Abschied nehmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild:Archiv ZO

 

In einer Gesellschaft der unbegrenzten Möglichkeiten, setzt uns der Tod eine unüberwindbare Grenze. Trotz neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bleiben das Leben und der Tod letztlich ein Geheimnis. Es gibt kein Mittel und keine Möglichkeit, diese letzte uns gesetzte Grenze aufzuheben. Das mag einer der Gründe sein, weshalb wir uns nur ungerne mit dem Tod auseinandersetzen. Und nicht zuletzt ist der Tod im heutigen Umfeld zu einem reinen Verwaltungsakt geworden. Denn seit gut 150 Jahren ist das Bestattungswesen Sache des Staates, der Politischen Gemeinden. Erst einmal wird man in einem Todesfall mit vielen Verordnungen rund um die Bestattung konfrontiert. Es scheint alles bis ins kleinste Detail reglementiert.

Doch Tod und Abschied nehmen ist mehr als ein verwaltungstechnischer Akt. Da spielen Gefühle und auch die religiöse Einstellung eine grosse Rolle. Jeder Mensch, der stirbt, hinterlässt eine Lücke, fehlt in der vertrauten Umgebung. Das löst in uns Gefühle aus. Und diesen Gefühlen Raum geben, ist ausserordentlich wichtig. Ein Abschiedsritual ist daher von grosser Bedeutung, hilft es doch, die Trauer zu bewältigen.

Wichtig ist, dass wir wissen, wo die oder der Verstorbene den letzten Ruheplatz hat. Fast nichts ist schlimmer für uns, wenn ein uns nahestehender Mensch «verschwindet» und wir über sein Schicksal im Ungewissen bleiben. Diesen Ort zu kennen – das kann auch ein Platz in der Natur sein, wo auf Wunsch die Asche der oder des Verstorbenen ausgestreut worden ist – hilft uns, die Trauer zu bewältigen und je nach Situation an diesen Ort zurückzukehren. Der hauptsächlich in katholischen Gegenden Feiertag Allerheiligen oder Allerseelen soll an die Verstorbenen erinnern und jährlich zu einem Besuch auf den Gräbern ermutigen.

Doch wie soll ein solches Trauerritual gestaltet werden? In unserer pluralistischen Gesellschaft verliert das traditionelle christliche Ritual in der Kirche mehr und mehr an Bedeutung. Das heisst, diejenigen, die kein kirchliches Ritual wünschen, können auf eine Trauerbegleiterin oder einen Trauerbegleiter zugehen. Gleich, für welches Ritual man sich entscheidet, gibt es doch einige Fixpunkte, die hilfreich sind für die Bewältigung der Trauer.

  • Dazu gehört die Aufbahrung. Es hilft, vor der Erdbestattung oder Kremation, dass Verwandte, Bekannte und Freunde am Sarg Abschied nehmen können. Wo die Aufbahrung stattfindet, entscheidet letztlich das Zivilstandsamt der jeweiligen Politischen Gemeinde. In einigen Gemeinden können die Verstorbenen auch zuhause aufgebahrt werden.
  • Weiter hilft ein Rückblick auf das Leben der oder des Verstorbenen. Das hat nichts zu tun mit «Beweihräucherung» oder gar Heuchelei. Jeder Mensch hat auch seine guten Seiten. Ein solcher Rückblick oder Lebenslauf, weckt in jedem der Anwesenden Erinnerungen. Und ein Grundsatz gilt auch heute noch: de mortuis nil nisi bene, über Verstorbene soll man nur in guter Weise reden.
  • Ein Totengebet hat seinen festen Platz in einem Ritual. Es weist uns darauf hin, dass es noch andere, «höhere» Mächte gibt, die wir nicht unter Kontrolle haben.
  • Auch das Grabgeläute hat seine Berechtigung. Es erinnert daran, dass uns allen einmal die letzte Stunde schlägt – memento mori, denke, dass du sterben musst.
  • Das sogenannte Leichenmal sollte dabei nicht vergessen werden. Es ist der Ort, wo man sich nach dem Abschiedsritual trifft, gemeinsam zu Tische sitzt und nochmals der Verstorbenen gedenkt.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, von den Verstorbenen eine Totenmaske abnehmen zu lassen.

Prüfen Sie, was für Sie geeignet ist und besprechen Sie den Ablauf mit dem Zivilstandsamt der Politischen Gemeinde, dem Trauerbegleiter oder Pfarrer. Was aus meiner Sicht nicht gut ist, ist der Verzicht auf jegliches Ritual. Im Moment mag das gut für Sie scheinen, aber langfristig kann der Verzicht zu einem persönlichen, belastenden Moment werden.

Autor: Gerold Schmid