Spiritualität bei schweren Krankheiten
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Bei schwerkranken Personen steht nicht nur die medizinische, sondern auch die psychische und seelische Betreuung im Vordergrund. Der Wunsch, ungelöste Konflikte zu klären und das eigene Leben zu ordnen, wächst oft mit der Nähe zum Lebensende. Spiritualität stellt den Tod in einen umfassenderen Zusammenhang – nicht als endgültiges Ende, sondern als Übergang oder Wandlung. Diese Sichtweise kann Angst und Verzweiflung mildern und Trost spenden.
Viele Betroffene erleben in dieser Zeit Gefühle von Wut, Traurigkeit, Leere oder Hoffnungslosigkeit. Wenn rationale Erklärungen nicht mehr tragen, kann Spiritualität zu einer wichtigen Bewältigungsstrategie werden. Sie eröffnet die Möglichkeit, das Geschehene zu akzeptieren und in einem grösseren Sinnzusammenhang zu verstehen.
Spiritualität bedeutet dabei nicht notwendigerweise Religiosität. Sie bezieht sich vielmehr auf die persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz. In der Forschung werden vier zentrale Dimensionen der Spiritualität unterschieden: Frieden, Sinn, Bedeutung und Transzendenz. Besonders stark kann das Bedürfnis werden, Erfahrungen weiterzugeben und dem eigenen Leben dadurch eine bleibende Bedeutung zu verleihen.
Wenn die bleibende Zeit begrenzt ist, nimmt auch die Selbstreflexion einen entscheidenden Stellenwert ein. Erlebnisse, Lebensphasen und Beziehungen werden aufgearbeitet und in einen neuen Kontext gesetzt. Das kann zu innerem Wachstum führen und neue Perspektiven bieten.
Während Religion oft das Gemeinsame betont, richtet sich Spiritualität an das Persönliche – an die eigene, individuelle Verbindung zum Leben. In Zeiten der Ungewissheit und Angst kann dies Orientierung, Sinn und Gewissheit bringen.